Selected Critics

Pierre Courthion

"Bottinelli a un sens du jet, de l'enlacement, de la juxtaposition de surfaces différenciées. C'est ainsi que s'annonce pour moi ie caractère de la peinture bottinellienne. Ici, l'artiste se montre un subtil tachiste. La, il étale au crayon de couleur un jaune d'or vieux. Puis il se resserre dans une géométrisation aux tons rompus.
Parti d'une figuration anthropomorphe vivement colorée, au dessin accentué, Bottinelli parvient a rythmer ses touches morcelées de blancs, de bleus, de rouges en une entrainante melée.
L'art de Bottinelli s'enrubanne en des huiles, des gouaches, des lithographies, des tapisseries qui font penser a de sarabandes et sont les signes d'une évidente personnalité."

Courthion (1902 - 1988, Paris) was one of the most important art critics of our century and author of the complete works of Georges Rouault, Paul Cézanne and many other masters.

George Bradford

"Bottinelli's paintings are always open for the joining-in of the audience. No constraint can be felt at all. The shape is the invitation to participate. In their abstract paintings the artist as well as the painter do not leave anything to chance. Everything is subordinated to the necessities demanded from the artist by the process of the painting's genesis. An experienced painter who shows no capriciousness in placing their bright points, lines and contours. He knows exactly what happens if he does something while leaving something else undone. On the other hand when looking closer at the artistic production no system of norms or inner constraints can be recognized at all, but a lot is permitted according to the realization that the color is always right in the end.
Bottinelli uses rich colors and sometimes nearly expressive color waves which are so perfectly made that associations are not very difficult. One spot of color or one strong brushstroke leads to the next. With the greatest ease and a strong sense of harmony, deepness and perspective, positive and optimistic worlds and visions come into being and overcome our speechlessness with their beauty. As Pablo Picasso once perfectly said: "Art was not invented to answer questions, but to ask them!"

George Bradford, USA (art publisher), 2001

Dagmar Burisch

"Ein Maler, dem es "niemals zu bunt werden kann" (...) Seine pastosen, geschwind auf die Leinwand gebrachten Malereien wiederholt er, je nach Nachfrage, mehrfach. Die Arbeiten thematisieren den reinen Ausdruckswert der Farbe. Stirnmungsgelenkt setzt er die puren, unvermischten Farben in kurzen Pinselstrichen dicht an dicht nebeneinander. Daraus ergibt sich ein zuckendes Stakkato aus wechselnden Grundtönen, die zuweilen wie aufgeschreckt auseinanderstieben oder sich in Wirbeln und Strömen zusammenfinden. Entspannte, meist in Blau gehaltene Ton-in-Ton-Kompositionen unterbrechen immer wieder die flackernde Unruhe und gönnen dem Auge Erholung (...)"

Dagmar Burisch, Mannheimer Morgen

Claus-Peter Böhner

Ein Dialog mit der Farbe
"Sicher gibt es Leute, die meinen, das, was der Bottinelli schafft, sei ein rein maltechnisches Phänomen. Als ob ein ungestümer Künstler-Geist sich auf Mal- Materielles festlegen liesse! Sicher nutzt Bottinelli etablierte Techniken, die irgendwann und irgendwo erprobt worden sind, angereichert durch eine eigene, persönliche Note, so, wie es gerade kam oder wie es gerade kommen musste. Aber das hängt nicht von Lust und Laune ab, vom blossen Ausprobieren-Wollen; es ergibt sich aus der jeweiligen Stimmungslage. Mal braucht Bottinelli pastosen Farbwiderstand, mal relativ weiche Linien, mal vehemente Schwünge zur Verdeutlichung des Gemeinten, mal krasseste Farbigkeit, die keiner Konturierung bedarf. Alles ordnet sich den Notwendigkeiten unter, die der Verlauf der Bildentstehung dem Maler abverlangt.
Er ist erfahren, natürlich, und er weiss, was passiert, wenn er dies tut oder jenes lässt. Wie könnte das auch anders sein! Und eben seine Erfahrung lehrte ihn, dass sinnvoll und einfach praktisch ist, sich auf einige Grundfarben zu beschränken, Der Maler Bottinelli ist nie diktatorisch, er lässt viel zu, denn er weiss nie, ob die "freien" Farben nicht vielleicht doch recht haben und schön ist es auch anzusehen, dass es ihm niemals "zu bunt" werden kann. Seine Technik kann man etwas eingrenzen: öl in öl, mit Pinsel und Spachtel aufgetragen, aufgetupft, breitgezogen mit teils heftigem Schwung und hernach bearbeitet, verfeinert, korrigiert, ergänzt.
Die ihm eigene Technik ist höchst flexibel: sie taugt auf grundierter und ungrundierter Leinwand, es gelingt auf Papier ebenso wie auf festem Karton - je nach gewähltem Format oder Malgrund ist sie gleichermassen brauchbar. Nur ein Materialkult, dem alles sich verdanken müsste, den gibt es eben nicht: Technik also als Mittel zum Zweck, nicht mehr und nicht weniger. Es gibt nie einen bis Ins letzte ausgetüftelten Plan, keine detaillierte Skizze. Alles beginnt mit dem Malen, der ersten Farbspur; die aber stellt mehr den Maler in Frage als sich selbst. Der Maler ist weder bestürzt noch betroffen, wenn er sieht, was da wird. Eher umgekehrt: Bottinellis Bilder halten sich offen fürs Mitspielen des Betrachters. Nichts unterliegt irgendeinem Zwang. Form ist als Einladung zum Mit-Tun vorgegeben.
Die Offenheit der Form, sie erlaubt die Teilhabe an der Vollendung des Bildes, wenn man nur zum Lesen dessen, was sich zugetragen hat, bereit ist. Nichts kommt über einen, bestimmend, anspruchsvoll; alles entzieht sich dem Wissen von dem, was jemals war. Sprachlosigkeit kann zur Tugend werden, zumindest hilfreich sein. Und darf "Schönheit" nicht von der Art sein, dass sie vorher nie gewusst werden konnte?
Was aber ist gemalt worden? Ist das unsere Welt? So wie sie ist - oder wie sie sein sollte, könnte, müsste? Ist das Bottinellis Welt? Sieht er sich so? Ist das seine Befindlichkeit? Ist das sein Entwurf von Welt? Ein Nachdenken über Toleranz und Akzeptanz und die Möglichkeit einer Kommunikation trotz starker Unterschiede? Geht es uns an? Was geht es uns an? Hilft es mir? Darf ich eintauchen? Kann ich mitspielen? Dient es der Wahrheitsfindung? Bringt es mich weiter? Kann ich es verstehen? Hört Kunst auf, wenn das Licht ausgeht? Nun, die Fragen sind so schön, dass man sie nicht mit einer schlichten Antwort zerstören sollte. Und überhaupt; Pablo Picasso dazu: 'Die Malerei wurde nicht erfunden, um Fragen zu beantworten, sondern um sie zu stellen!' "

Dr. Claus-Peter Böhner (Ausstellungsmacher und Galerist), 1997

Gotthard Fellerer

Der Sinn der Kunst des Bottinelli
"Nach Günther Uecker ist der Künstler ein Erfinder von Ideen, die visuell realisiert, als Gleichnisse einer geistigen Entwicklung angesehen werden können. Bei Bottinelli werden - parallel zu dieser überlegung - Erfahrungswerte im übertragenen Sinn mitgeteilt. Der unmittelbare Lebensbereich wird kritisch durchleuchtet. Sammeln und registrieren bestimmen seine Methode. Sein Umraum wird dem Betrachter als ein räumlich und situationsbegrenzter Ausschnitt der Realität nahegebracht. Die Aussage wird oft verdinglicht, und Bottinelli verzichtet weitgehend auf die Transformation in eine künstlerische Gestaltung. Er befreit im Sinne Herbert Marcuses den Gegenstand aus dem Automatismus der Wahrnehmung, der die eigentliche Wirklichkeit des Dinges entstellt. Oft wird die unverhüllte Realität durch die Direktdarstellung unterstrichen.
Dem kausalen Sinn wird nun der akausale - der Unsinn - gegenübergestellt. Dieser prägt nun das Bild des Antikünstlers der herrschenden bürgerlichen Kunstauffassung. Bottinelli verschmilzt aber das Anti - das Gegenüberstehende - mit der Methode Kunst und präsentiert seinen privaten Kosmos. Die auf das Ego bezogene Interpretation und Problematik der Welt steht im Vordergrund. Das Publikum ist im Gegensatz zum Happening Betrachter und nicht Aktionsträger. Nach moralischen Grundsätzen wird eine Veränderung der Welt propagiert. Hierbei überwiegt der dokumentarische, theoretische und untersuchende Moment des Werkes. Kunst wird bei Bottinelli zur Lebenskunst und das Leben wird zur Kunstidee. Konsequent wird von sich aus die Frage nach der Qualität des Leben und des Bewusstseins gestellt. Träger der Idee ist der Subjektivismus - Bottinelli ist subjektiver Ich-Erzähler.
Seine Kunst emanzipiert sich von den alten Normen, und seine Objekte sind eine neue Intention im Vergleich zur Skulptur. Die Gattungsgrenzen der Künste verschwinden und die Buchstabenliteratur wird zur Bildliteratur. Kunst gilt hier als Training für die individuelle und soziale Bewusstwerdung durch die kritische Reflexion des Verstandes. Sentimentalität und Begeisterungsfähigkeit prägen das intellektuelle Engagement Bottinellis."

Gotthard Fellerer
Vorwort zum Katalog zur Ausstellung "Environmental works 75-78" Städtisches Kulturamt Wiener Neustadt, 1978

Barbara Könches

"Der griechische Philosoph Platon meinte, dass die starke Betonung der Gefühle in der Kunst eine Gefahr für die Vernunft darstellt. Wolf Adam Bottinelli, Jahrgang 1950, setzt sich nicht nur über diese Warnung hinweg, sondern er nimmt Liebe und Leidenschaft als auslösende Momente für seine Malerei. "I love lady beau" betitelt der Künstler ein abstraktes Bild aus dem Jahr 1998, das derzeit in der Galerie Golfclub ausgestellt ist.
Bottinelli nutzt das breite Spektrum der Farbpalette aus, um seiner Zuneigung Ausdruck zu verleihen. Rote, gelbe, blaue und grüne Flecken und Tupfen überziehen die Leinwand. Allerdings steht die Freiheit der Farbwahl im Kontrast zur Maltechnik. Der Künstler setzt Pinsel und Spachtel gezielt ein, um den Bildern eine durchdachte Oberflächenkontur zu verleihen. Pastose Farbinseln stehen im Wechsel zu flächigen Abschürfungen, die bisweilen auf die Grundierung der Leinwand hinab reichen. Der Maler versetzt die Farbmassen so in Bewegung, als sollten sie über das Bild hin aus in den Raum entfliehen, Daher ist es nicht erstaunlich, dass er sich immer wieder mit dem Spiel des Lichts auf den Meereswellen beschäftigt. Wie die Gischt in der Brandung funkeln blaue und weisse Farbpigmente auf der Leinwand: "Seascape", 1993, ein Symbol für die rauhe Beschaffenheit des Lebens, ein Sinnbild der unsteten menschlichen Geschichte.
Die Biographie von Wolf Adam Bottinelli legt Zeugnis ab für seine eigene bewegte Vergangenheit. In den 70er Jahren studierte er an der Kunsthochschule Kassel. In den ersten Arbeiten wandte sich Bottinelli den aktuellen Kunstströmungen wie Fluxus und Happening zu. Sein Schaffen umfasst neben der Malerei, Fotografie, Grafik und Bildhauerei. In der Galerie im Golfclub werden die neuesten Gemälde aus Bottinellis Atelier gezeigt, die seine Suche nach dem adäquaten Ausdrucksmittel veranschaulichen. Zum Beispiel in "Composition 7". Hier ritzt der Künstler die blau-violett bemalte Leinwand mit einem spitzen Gegenstand auf. Zutage treten fremde Schriftzeichen und Formgebilde, vergleichbar den Einkerbungen auf Häuserwänden und Baumrinden. Die Machart erinnert an die Art brut. Doch deren erdige Schwere wird von Bottinelli in ein kosmisches Blau verwandelt."

Barbara Könches, Badische Neuste Nachrichten, 1998

Regina Doblies

Form und Farbe in Bewegung
"Es sind die kräftigen leuchtenden Farben, die zunächst ins Auge fallen. Beim Nähertreten erkennt man, wie verschwenderisch hier mit der ölfarbe umgegangen wurde. Die Bilder von Wolf Adam Bottinelli sind vielschichtig im wahrsten, im fühlbaren Sinne. Nur hier und da schimmert die Grundlage, die erste Bearbeitung der Leinwand durch. Darüber hat der Künstler mit Pinsel und Spachtel deutlich sichtbare Spuren hinterlassen, energische Striche, Flecken und Tupfen, die einander überlagern, sich voneinander abgrenzen oder eine Verbindung eingehen. Farben, die scheinbar nicht zueinander passen, harmonisieren in den Bildern des Künstlers, gehen eine optische Kommunikation ein, die von überraschender ästhetik ist. (...)
Bottinellis Bilder sind voller Bewegung. In ihnen prallen Gegensätze aufeinander, die vom Betrachter jedoch nicht als Kontraste im negativen Sinne, sondern als Einheit empfunden werden. "Für mich werfen die Arbeiten Fragen des menschlichen Umgangs auf, lassen mich nachdenken über Toleranz und Akzeptanz und die Möglichkeit einer Kommunikation trotz starker Unterschiede", gibt die Galeristin Elisabeth Steinmeier ihren eigenen Eindruck wieder. Im vergangenen Jahr hat der im Tessin lebende Bottinelli die ölbilder von strahlender Leuchtkraft geschaffen, deren Elemente bereits in den früheren Pastellarbeiten angelegt sind. Sehr schön das Schwelgen in Blau, das bei aller Nähe zur informellen Kunst Assoziationen an die Impressionisten, etwa an Monets "Seerosen", weckt."

Regina Doblies, Kulturredaktion Westfalenblatt, 1997

Arlene Di Menna

"It is with great pleasure that I Introduce Wolf Bottinelli's professional retrospective of his art from the past 25 years. I say pleasure, because Bottinelli‘s works convey an optimism and pure of heart kind of innocence, which so often eludes our human experience today in this troubled world of ours. These works reveal true passion, happiness and excitement for life.
On first glance his earlier pieces appear tentative, but with further observation there is a progression over the years that expresses a fluid essence of texture, color and design being confidently delivered.
This is achieved by Bottinelli unsparingly deluging his canvases with high spirited color, eliciting a vibrance, intensity and aura to his compositions. His strokes have great clarity and render abstraction with an orderliness and harmony, that musically vibrate before you.
His most recent collages have an angular feel departing somewhat from his other works, yet maintaining a playful and vibrant Impression and painterly quality. Bottinelli's work visually delights the viewer hitting a note that stays long after the image has been put aside."

Arlene Di Menna, Curator, Baltimore Md., 1999

Image: Wolf Bottinelli

Idea for a happening by Guglielmo Achille Cavellini and Wolf Adam Bottinelli
overpainted photograph, 25 x 35 cm, 1976